Die Nachricht vom Tod der 17-Jährigen verbreitete sich im Stadtteil Bövinghausen wie ein Lauffeuer. Warum starb Jacqueline Schultze, kurz nachdem sie ihr Töchterchen Celine-Justine zur Welt brachte?
"Keiner kann das begreifen, alle sind fassungslos", sagt eine Kioskbesitzerin. In ihrem kleinen Laden gab es gestern kein anderes Thema als das Schicksal der Schülerin.
Ihre Eltern Hans-Joachim und Heidi Schultze sitzen mit dem Lebensgefährten ihrer Tochter Nicolai Lamsat (17) am Wohnzimmertisch. Der 47-Jährige nimmt das Bild seiner Tochter in die Hände. "Sie können sich das nicht vorstellen. Was war das für eine Freude, als Jacqueline ihr Baby in den Armen hielt und immer wieder sagte, wie niedlich es doch ist. Ein paar Stunden später ist das Glück zerplatzt wie eine Seifenblase." Seine Stimme stockt. "Wir wollen kein Mitleid, wir wollen nur, dass das aufgeklärt wird." Ihr Rechtsanwalt Jürgen Schmischke will jetzt das Ergebnis der staatsanwaltschaftlichen Untersuchungen abwarten. "Danach prüfen wir eine Klage."
Das Krankenhaus Lütgendortmund zeigte sich zutiefst betroffen. Geschäftsführer Ubbo de Boer und die Pflegedienstleitung boten den Angehörigen Hilfe und psychologische Betreuung an. Zudem versicherten sie, Jacquelines Familie sämtliche Angaben über den Verlauf der Behandlung zur Verfügung zu stellen.
Nach Darstellung der Klinik brachte die 17-Jährige am Montagmittag ein gesundes, 4370 Gramm schweres Mädchen zur Welt. Nachdem sich die Plazenta nicht in der üblichen Zeit löste, operierte der Chefarzt das Mädchen. Trotz eines gewöhnlichen Verlaufs wachte die Patientin nicht aus der Narkose auf. Als verstärkte Blutungen auftraten, operierten die Ärzte erneut. "Nachdem auch die OP zur Gebärmutterentfernung und Stillung der Blutung normal und ohne Komplikationen verlaufen war, trat plötzlich und unerwartet der Herzstillstand ein", heißt es in einer Stellungnahme. Fast eineinhalb Stunden versuchten die Mediziner, die junge Mutter wiederzubeleben. Vergeblich.
Für die Hinterbliebenen bleiben viele Fragen ungeklärt. "Die Geburt hat so lange gedauert, wir haben mehrfach einen Kaiserschnitt verlangt", sagt Heidi Schultze (46). "Es ist so schwer, damit klarzukommen, wenn man nicht weiß, warum das passiert ist", ergänzt ihr Mann.
Dann werden die beiden aus ihren traurigen Gedanken gerissen. Celine-Justine ist im Nebenzimmer wachgeworden. Die Oma seufzt. "Jetzt gehen wir spazieren."